Kompetente Partner sind Starke Partner

Vorwort:
Integrationsarbeit ist vor allem Beziehungsarbeit. Dieser Grundsatz begleitet unsere Arbeit bereits seit Jahren und hat sich immer wieder als wahrheitsgemäß und richtungsweisend erwiesen. Menschliche Kontakte gehören daher für uns zu den wichtigsten Ressourcen. Der gegenseitige Austausch bringt nicht nur sprachliche Routine, sondern baut ganz natürlich ein Netzwerk auf, das den Migrantenorganisationen auf Dauer hilft, sich zu etablieren.

Doch allein auf menschlichen Kontakten kann noch keine erfolgreiche Projektarbeit durchführt werden. Es müssen auch andere „Ressourcen“ vorhanden sein.
Häufig versteht man darunter Organisations- und Präsentationstechnick und passende Räumlichkeiten. Ohne diese Grundausstattung wäre inhaltliche integrative Projektarbeit der Migrantenselbstorganisationen nicht wirklich umsetzbar. Dabei ist es denkbar, Sharing-Strukturen zu etablieren, sodass mehrere Projekte auf dieselben Ressourcen zurückgreifen können.
Wenn Räumlichkeiten, Gegenstände und Technik gegeben sind, beginnt für die migrantischen Gruppen die Suche nach Informationen. Migrantenorganisationen (vor allem die kleineren und noch nicht etablierten) sind auf zugängliche Informationen über kommunale soziale Prozesse, Veranstaltungen und Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen. Den Zugang zu diesen Informationen sehen wir als eine fundamental benötigte Ressource, bei dessen Beschaffung Migrantenorganisationen oft für jede Begleitung und Beratung dankbar sind.

Für die langfristig angelegte integrative Arbeit benötigen Migrantenorganisationen außerdem eine stabile Finanzierung. Um diese zu erreichen, brauchen die migrantischen Organisationen nicht nur Kenntnisse über lokale Fördermöglichkeiten, sondern auch einen routinierten Umgang mit der deutschen Fachsprache. Sie müssen vertrauenswürdig erscheinen und ihre eigenen Verwaltungsstrukturen an die offiziell gewünschten anpassen. Das garantiert beiden Seiten ein gewissen Maß an Sicherheit und eine erfolgreiche integrative Arbeit kann beginnen.

BiM e.V. möchte mit Hilfe des House of Resources für Reutlingen und Umgebung ein Kompetenzzentrum zur Vermittlung praxisnaher Informationen für integrativorientierte migrantische Vereine und kleinere Initiativen aufbauen. Dieses soll Hands-on-Erfahrungen in Projektmanagement als Schlüssel zur selbstbestimmten Teilhabe, Kompetenzen in Öffentlichkeits- und Medienarbeit, eine Professionalisierung der Verwaltungsstrukturen und Strategien der Informationsbeschaffung dem Ehrenamt mit Migrationshintergrund bieten. Denn nur kompetente Kooperationspartner sind gute Partner.
Das House of Resources ist in Reutlingen und Umgebung vor allem für kleinere Migrantenorganisationen, integrativ tätige Vereine und Initiativen ohne Organisationsform interessant.
Diese Beschreibung deckt sich überwiegend mit der Mitgliederstruktur von BiM e.V. und entspricht außerdem dem Charakter des migrantischen Ehrenamtes in und um Reutlingen.

Viele kleinere und neue Vereine, sowie solche, die in ländlichem Raum (und dadurch weiter weg von urbanen Infrastrukturen) arbeiten sind bereit, integrativ aktiv zu werden. Durch fehlende Strukturen oder organisatorischen Schwächen fehlen ihnen aber gerade dafür die Ressourcen. Eine Unterstützung seitens des House of Resources würde hier besonders zielgerichtet investiert.
Als weitere Zielgruppe des Projekts HoR sehen wir Menschen mit Fluchterfahrung, die teilweise seit mehreren Jahren in Deutschland leben. Sie zeigen oft Bereitschaft, sich in Vereinen oder Initiativen zusammenzuschließen. Diese Neugründungen können durch unser Kompetenzzentrum gezielt betreut werden. BiM e.V. begleitet zurzeit drei solcher Fälle und kann somit Erfahrung und das nötige Netzwerk für diese Arbeit aufweisen.

Professionelle Sozial- und Bildungseinrichtungen gehören indirekt ebenfalls zur Zielgruppe des HoR. Solche Einrichtungen können Stadtbibliotheken, Volkshochschulen, diverse gemeinnützige Projekte oder Ähnliches sein. Diese profitieren von HoR, da in der Projektarbeit Kontakte zwischen etablierten Strukturen und Migrantenselbstorganisationen entstehen. Dadurch wird in und um die Stadt Reutlingen ein reger Austausch und Synergieeffekt zwischen professionellen Einrichtungen und Migrantenorganisationen gefördert.

Alle Zielgruppen kann BiM e.V. erreichen über bereits bestehende Kontakte, gezielte Ansprache von Verantwortlichen aus unterschiedlichen migrantischen Gruppen und über Kontaktaufnahme zur Integrationsbeauftragten des Landkreis Reutlingen, die Bereitschaft zu Kooperationen mit BiM e.V. signalisiert hat.

Zum strategischen Ziel vom HoR in Reutlingen soll der Aufbau und die Stabilisierung eines Kompetenzzentrums für Teilhabe gehören. Dieses Zentrum soll die Nachhaltigkeit der dreijährigen Projektarbeit sichern. Im Idealfall könnte das Kompetenzzentrum für Teilhabe mit der Zeit das Ehrenamt mit und ohne Migrationshintergrund in Reutlingen und Umgebung unterstützen. Somit würde der integrative Charakter der HoR-Projektidee eine neue Dimension erreichen. Wie bereits erwähnt könnte das Kompetenzzentrum für Teilhabe zum Teil des Konzepts der Projektidee „Haus der Kulturen/Bürgerhaus in Reutlingen“ werden und die migrantischen Akteure des Projektes unterstützen. Der Gemeinderat stimmte am 28.04.2020 dem ersten Konzept-Entwurf zu.
Das HoR (ferner vielleicht das Kompetenzzentrum) für Reutlingen und Umgebung soll von vier inhaltlichen Säulen getragen werden.